Gemeinderatsbericht vom 19. Januar 2026

Medienmitteilung

Gemeinderatsbericht vom 19. Januar 2026

Sieben Postulate, drei Weisungen und eine Motion: der Gemeinderat hat in dieser Sitzung den Pendenzenberg abgearbeitet. Inhaltlich ging es um die Löhne der Musiklehrpersonen, Bauprojekte, Nachhaltigkeitsthemen, eine Begegnungszone, die Jugendförderung und die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Seegräben. Die meisten Vorlagen waren wenig umstritten, so dass die Sitzung trotz langer Traktandenliste rascher als geplant beendet werden konnte.
 

Den Link zur Gemeinderatssitzung findet Ihr hier. (https://www.uster.ch/sitzung/6646606)

 

Voten der GLP

 

Fraktionserklärung von Ursula Räuftlin: Entgegen der jährlichen Sitzungsplanung wurde für die heutige Sitzung zu einer Doppelsitzung mit einer Dauer bis 23:15 und einer Verpflegungspause um 20:30 eingeladen.

 

Aus unserer Sicht ist die Sitzungsplanung in letzter Zeit etwas gar willkürlich. Für die Budgetsitzung, welche traditionell immer um 18 Uhr stattfand und früher sogar gelegentlich an einem zweiten Abend fortgesetzt werden musste, wurde im Dezember 2025 zu einer normalen Sitzung mit Sitzungsbeginn 19:00 Uhr eingeladen. Die Sitzung musste dann auf Antrag unserer Fraktion um 22:55 abgebrochen werden, damit die Sitzung nicht noch zu einer Dreifachsitzung ausartete.

 

Ich möchte hier wieder mal in Erinnerung rufen, dass es sich beim Gemeinderat um ein Milizparlament handelt. D.h. die meisten von uns werden am nächsten Tag wieder um 6 Uhr aufstehen, um ihrer Berufstätigkeit nachgehen zu können. Es darf doch demnach nicht sein, dass Sitzungen regelmässig über 22 Uhr hinausgehen sollen. Wenn zu einer Doppelsitzung mit Verpflegung eingeladen wird, so ist, wie früher üblich, auf 18 Uhr einzuladen. Bei Sitzungsbeginn um 19 Uhr brauchen wir keine Zwischenverpflegung, da der Sitzungsbeginn so spät angesetzt ist, dass es möglich sein sollte um 18:00 oder 18:30 noch ein Abendessen einzunehmen. Die Sitzung könnte dann dafür rechtzeitig beendet werden.
 
Wir unterstehen zwar nicht dem Arbeitsgesetz. Trotzdem möchte ich daran erinnern, dass Arbeitszeit in Industrie und Gewerbe nach 23 Uhr bewilligt werden muss und mit 25% Lohnzuschlag vergütet wird. Arbeit, auch Sitzungsarbeit, wie wir sie hier verrichten, in der Nacht ist nun einfach nicht gesund und sollte nach Möglichkeit vermieden werden.
 

Das Ratspräsidium hätte es in der Hand, die Sitzungen so festzulegen, dass sie für Milizparlamentarier nicht gesundheitsschädigend sind. Falls notwendig werde ich auch heute wieder einen Sitzungsabbruch um spätestens 23 Uhr verlangen. Wir erwarten, dass in Zukunft keine Sitzungen über 22 Uhr hinaus geplant werden und notfalls halt beispielsweise in der Jahresplanung pro Quartal ein Sitzungstermin auf 18 Uhr angesetzt wird, damit die Pendenzenberge abgetragen werden können. 

 

 

Marco Kranner zur Motion «Abgabe der Parzelle Apothekerstrasse 18 im Baurecht»: Die GLP Uster steht grundsätzlich hinter der Motion 630/2025, welche die Parzelle Apothekerstrasse 18 im Baurecht abgeben und durch ein Investitionsobjekt die Renovation der denkmalgeschützten Liegenschaft quersubventionieren möchte. Wir begrüssen diesen Vorstoss, da er zwei wichtige Herausforderungen unserer Stadt adressiert: die dringend benötigte Schaffung von Wohnraum und die Erhaltung eines historischen Gebäudes, ohne dabei die Steuerzahlenden zu belasten. Allerdings möchten wir einige Aspekte hervorheben, die uns besonders am Herzen liegen und die wir in der weiteren Ausarbeitung der Vorlage berücksichtigt sehen möchten.

 

1. Wohnraum für alle, nicht nur für wenige
Wir unterstützen die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum, jedoch darf dies nicht auf Kosten der sozialen Durchmischung geschehen. Es ist uns ein zentrales Anliegen, dass nicht ausschliesslich teure Wohnungen entstehen, die für einen Grossteil der Bevölkerung unerschwinglich sind. Vielmehr sollten wenn möglich auch gemeinnützige Wohnungsbauprojekte und bezahlbare Wohnformen einen Platz in diesem Projekt finden. Nur so können wir sicherstellen, dass der dringend benötigte Wohnraum auch tatsächlich der breiten Bevölkerung zugutekommt.

 

2. Finanzierung gemeinnütziger Wohnungen
Wir sind uns bewusst, dass die Finanzierung gemeinnütziger Wohnungen eine Herausforderung darstellt, insbesondere wenn gleichzeitig die Renovation eines denkmalgeschützten Gebäudes quersubventioniert werden soll. Dennoch sind wir überzeugt, dass kreative Lösungen gefunden werden können, um dieses Ziel zu erreichen.

 

3. Nachhaltigkeit und Qualität
Bei der Realisierung des Investitionsobjekts legen wir grossen Wert auf Nachhaltigkeit und hohe Qualität. Die neuen Wohnungen sollten energieeffizient und ressourcenschonend gebaut werden, um langfristig Kosten zu sparen und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

 

4. Transparenz und Planungssicherheit
Wir begrüssen die Forderung nach einer klaren Zeitachse und transparenten Konditionen für die Abgabe des Grundstücks im Baurecht. Eine sorgfältige Planung und frühzeitige Einbindung aller Stakeholder sind entscheidend, um das Projekt erfolgreich umzusetzen und Vertrauen in den Prozess zu schaffen.

Zusammenfassend unterstützt die GLP Uster die Motion 630/2025, da sie eine pragmatische Lösung für zwei wichtige Anliegen unserer Stadt bietet. Wir setzen uns jedoch dafür ein, dass bei der Umsetzung nicht nur auf die Kostenrechnung geachtet wird, sondern auch auf die Bedürfnisse der Bevölkerung. Bezahlbarer Wohnraum muss ein integraler Bestandteil des Projekts sein, um sicherzustellen, dass die neuen Wohnungen tatsächlich der Bevölkerung zugutekommen.

 

Wir freuen uns auf eine konstruktive Diskussion und stehen gerne für weitere Gespräche zur Verfügung.

 

 
 
Josua Graf zum Postulat «Überprüfung der Nachhaltigkeitsstrategie am Uster Märt: Mehr als nur eine Mehrwegbecher-Strategie?»: Die Beantwortung dieses Postulat lässt leider weiter diverse Fragen offen und das Ziel Klarheit zu schaffen wird weit verfehlt. Ein Marktfahrender weiss weiterhin nicht, was für Aufwände im Bereich Logistik, Personal und Finanzen bei der Einführung von Mehrwegbechern und Geschirr auf ihn zukommen werden.
 

Eine sehr zentrale Frage, nämlich jene nach der Finanzierung bleibt weiterhin unbeantwortet, sowohl in der aktuellen Postulatsantwort als auch in jener des Postulat 521/2023. Nebst der Bewältigung der Logistik ist die Frage über die zu erwartenden Kosten für den einzelnen Marktfahrenden von zentralem Interesse.

 

Es ist davon auszugehen, dass viele Fragen im versprochenen Umsetzungskonzept, welches der Weisung zur Anpassung der Abfallverordnung beiliegen soll, beantwortet werden.

 

Fazit zur Postulatsantwort: Viel Text, wenig konkrete Aussagen beziehungsweise keine neuen Erkenntnisse.

 

 
 
Josua Graf zur Weisung «Kommunalpolizeiliche Aufgaben in der Gemeinde Seegräben; Genehmigung Anschlussvertrag»: Die Weisung 113/2025 des Stadtrates regelt durch einen öffentlich-rechtlichen Anschlussvertrag zwischen der Stadt Uster und der Gemeinde Seegräben die Übernahme der kommunalpolizeilichen Aufgaben in der Gemeinde Seegräben durch die Stadtpolizei Uster.
 

Die Weisung wurde intensiv besprochen, diverse Fragen konnten in den Kommissionssitzungen beantwortet werden. Der Anschlussvertrag sieht für ein 60% Pensum eine Vergütung von jährlich CHF 91 575.- vor. Die Entschädigung ist für die Stadtpolizei Uster kostendeckend.

 

In der Weisung über den Anschlussvertrag werden jährlich 1134 zu leistende Stunden polizeilicher Arbeit für die Gemeinde Seegräben genannt, dies entspreche ca. 25 Stunden in der Woche. Da diese Berechnung der wöchentlichen Stunden fehlerhaft ist wurde uns versprochen, dass diese im Anschlussvertrag noch korrigiert wird.
Die Schaffung einer zusätzlichen 60% Stelle für die Stadtpolizei Uster bringt auch verschiedene Vorteile mit sich. So gewinnt die Stadtpolizei Uster durch die Erhöhung des Personalbestandes Flexibilität bei der Dienstplanung oder kann die Wege der Patrouillen effizienter planen.
 
Aus diesen Gründen wird die GLP/EVP-Fraktion diese Weisung unterstützen.
 
 
Marco Kranner zum Postulat «Weiterentwicklung offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Uster»: Wir danken dem Stadtrat für die umfassende und ehrliche Analyse. Sie bestätigt, was vielen schon lange klar ist: Unsere offene Kinder- und Jugendarbeit in Uster leistet Hervorragendes, steht aber unter enormem Druck und weist eine kritische Lücke auf.

Unser Fokus liegt heute ganz auf dem Fazit und den Prioritäten dieser Stellungnahme. Hier wird die entscheidende Weichenstellung genannt: Der Stadtrat stellt fest, dass die Schliessung der Lücke für Kinder von etwa 12 bis 17 Jahren, aus fachlicher Sicht eine Notwendigkeit darstellt. Diesen Satz unterstützen wir aus voller Überzeugung und fordern, dass diese Lücke behoben wird. Warum? Weil hier der Schlüssel für eine wirksame und nachhaltige Prävention liegt. Die Analyse zeigt deutlich: Problemlagen wie Verhaltensauffälligkeiten, früher Substanzkonsum oder Gewalt zeigen sich immer früher. Ein Mittelstufentreff ist kein nettes „Add-on“, sondern eine präventive Grundversorgung. Er bietet einen sicheren Ort, frühzeitige Begleitung und die Chance, Schwierigkeiten zu erkennen, bevor sie eskalieren. Genau darin liegt die strategische Bedeutung: Indem wir in diese Altersgruppe investieren und Probleme früh begleiten, legen wir das Fundament für stabilere Jugendliche. Die logische Folge ist, dass die Aufwände sowie die Kosten für die Begleitung und Intervention von über 17-Jährigen potenziell sinken können. Es ist klug, in frühe, niederschwellige Hilfe zu investieren, um spätere, intensivere und kostspieligere Massnahmen zu vermeiden.
 
Wir appellieren an den Gemeinderat, diese Erkenntnisse aus dem Fazit nun entschlossen umzusetzen. Dazu werden Mitunterzeichner dieses Postulates zeitnah eine Motion auf den Weg bringen. Packen wir es an. Schliessen wir diese Lücke, für unsere Kinder und für die Zukunft unserer Gemeinde.
 
 
Marco Kranner zum Postulat «Strategie und finanzielle Planung Infrastrukturaufgaben der nächsten Jahre»: Die GLP/EVP-Fraktion bedankt sich beim Stadtrat für den ausführlichen Bericht sowie für die sorgfältige Analyse der anstehenden Investitionen im Bereich der städtischen Infrastruktur. Wir halten fest, dass der nun vorliegende Kriterienkatalog ein zentrales und wertvolles Instrument darstellt, um die Investitionen der nächsten Jahre faktenbasiert, transparent und nachvollziehbar zu priorisieren. Die drei klar definierten Kriterien, operative Dringlichkeit, Realisierbarkeit und strategische Bedeutung geben den Abteilungen wie auch dem Stadtrat eine einheitliche und belastbare Grundlage, um Entscheide zu treffen, Mittel gezielt einzusetzen und unnötige Verzögerungen zu vermeiden. Ebenso begrüssen wir die Einführung der vier Kategorien, die dem Werterhalt den notwendigen Stellenwert einräumen und somit verhindern, dass heutige Sparmassnahmen künftige Generationen belasten.
 
Gerade in einer Zeit, in der wir vor grossen finanziellen Herausforderungen stehen, ist ein solches Vorgehen unabdingbar. Der Kriterienkatalog schafft Ordnung, Vergleichbarkeit und eine klare Priorisierung. Er trägt somit dazu bei, dass sich der Stadtrat im Rahmen seiner Investitionsplanung konsequent auf das Wesentliche fokussieren kann.
 
Es sei an dieser Stelle auch unkritisch erwähnt, dass man durchaus hätte erwarten dürfen, dass ein solcher Kriterienkatalog bereits früher vorhanden gewesen wäre. Umso mehr begrüssen wir, dass nun ein fundiertes Instrument ausgearbeitet wurde, das die Stadt Uster in der langfristigen Finanz- und Infrastrukturplanung spürbar stärken wird. Wir nehmen ebenfalls positiv zur Kenntnis, dass der Stadtrat seine bisherigen Investitionsvorhaben überprüft und bei Bedarf neu priorisiert hat. Die Anpassungen zeigen, dass der Kriterienkatalog nicht nur theoretisch existiert, sondern bereits konkrete Wirkung entfaltet.
 
Die GLP/EVP-Fraktion stimmt dem Bericht zu und beantragt, wie vom Stadtrat vorgeschlagen, das Postulat als erfüllt abzuschreiben.